© Sonja Fuhrmann

Lebensraum Moor

Mehr Wasser als Land

Derart ausgedehnte Moore, wie in der Eider-Treene-Sorge Niederung findet man im Naturpark Holsteinische Schweiz zwar nicht, dennoch sind sie auch hier im Östlichen Hügelland fester Bestandteil der Landschaft. Moore entstehen an Orten mit wassergesättigtem Boden, an denen abgestorbenes Pflanzenmaterial durch Mikroorganismen nur wenig abgebaut wird. Der notwendige Sauerstoff fehlt hier. Im Laufe von Jahrtausenden können so meterdicke Schichten toten Pflanzenmaterials entstehen: Torf. Die Moore im Gebiet des Naturparks sind häufig durch Verlandung kleiner Seen entstanden oder befinden sich gerade in diesem Prozess. Wenn Uferbereiche von Seen durch Sedimente, die sich am Grund absetzen langsam flacher werden, wachsen häufig Schilfröhrichte auf. Diesen Röhrrichten ist eine Schwimmblattzone vorgelagert, in der z. B. die Gelbe Teichrose zu finden ist. Zwischen den vielen Halmen des Schilfs setzen sich weitere Sedimente ab und der einstige Gewässergrund wächst allmählich über den Wasserspiegel. Nun können sich andere Pflanzen ansiedeln, wie Seggen und erste Weiden und Erlen, die eine weitere Entwicklung zum Bruchwald einleiten. Solange der See nicht abrupt sehr tief wird, kann das Schilf langsam immer weiter Richtung Seemitte wachsen während der Verlandungsgürtel immer breiter wird. An den Ufern des Middelburger Sees kann man diese Entwicklung wie im Bilderbuch sehen. Sowohl unter Schilf, als auch unter Seggen und Bruchwald können sich im Laufe der Zeit dicke Torfschichten bilden.

Heidmoor- Paradies der Wiesenvögel

Für viele Vogelarten ebenfalls von großer Bedeutung ist das Heidmoor in der Gemeinde Seedorf. Hier wurden ebenfalls Wiedervernässungsmaßnahmen durchgeführt und im Unterschied zum Tarbeker Moor auch eine großflächige extensive Beweidung mit Rindern etabliert. Auf diesen Flächen brüten typische Wiesenvögel, wie Feldlerche, Wachtel, Braunkehlchen, Wiesenpieper, Großer Brachvogel und Schafstelze.  Und wer sich nachts ins Moor traut: Von landesweiter Bedeutung ist das Gebiet auch für den scheuen Wachtelkönig, der seinen wissenschaftlichen Namen Crex crex mit Einbruch der Dunkelheit etwa ab Mitte Mai stundenlang rufen kann.

Vom Nieder- zum Hochmoor

In den Niederungen einiger Bäche und Flüsse wie der Trave, sind auch Überflutungsmoore entstanden, die außer vom hohen Grundwasserstand auch durch Hochwasserereignisse mit Feuchtigkeit versorgt werden. Moore können sich außerdem im Bereich von Quellen bilden oder dort, wo Grundwasser einem Gefälle folgend in geringer Tiefe strömt. Alle diese Moortypen erhalten relativ nährstoffreiches und oft basisches Wasser, was sich auch in der Vegetation spiegelt, die sehr artenreich sein kann. Hier können z. B. seltene Pflanzen, wie die Orchidee Sumpf-Stendelwurz, das Sumpf-Herzblatt, das Sumpf-Läusekraut und zahlreiche Kleinseggen wachsen. Man zählt diese Moore zu den Niedermooren. Wächst ein Moor immer weiter in die Höhe, entzieht sich die Mooroberfläche allmählich dem Einfluss des nährstoffreicheren Wassers und wird schließlich nur noch vom Niederschlag gespeist. Es ist zum Hoch- oder auch Regenmoor geworden. Die Bedingungen haben sich nun stark geändert, da Regenwasser unter natürlichen Bedingungen extrem nährstoffarm ist. So kommen hier nur Spezialisten unter den Pflanzen und Tieren vor, die zudem auch die sauren Bedingungen tolerieren. Der Torf wird nun vor allem durch Torfmoose gebildet, die eine enorme Wasserspeicherfähigkeit besitzen und so die Feuchtigkeit auch in Trockenphasen zurückhalten. Der Rundblättrige Sonnentau kompensiert den fehlenden Stickstoff durch Insekten, die an seinen klebrigen Blättern haften bleiben und verdaut werden. Charakteristisch sind neben der rosa blühenden Glockenheide und dem seltenen Weißen Schnabelried auch Wollgräser, die zur Zeit der Fruchtbildung Ährchen mit wattebauschartigen Fäden ausbilden.

Das Tarbeker Moor- erfolgreich wiederbelebt

© Christian Winkler

Eine Reihe von Laufkäferarten kommt nur in Hochmooren vor, wie auch die Libellenarten Nordische Moosjungfer und Hochmoor-Mosaikjungfer, die man z.B. im Tarbeker Moor dabei beobachten kann, wie sie ihre Eier an schwimmenden Torfmoosen ablegen. Das Tarbeker Moor war noch bis ins 20. Jahrhundert Teil eines wesentlich größeren Hochmoores, das sich in einer eiszeitlichen Schmelzwasserrinne gebildet hatte. Wie der überwiegende Teil der Moore in Schleswig-Holstein wurden auch diese benachbarten Moorflächen zerstört, indem sie künstlich entwässert, abgetorft und als Grünland genutzt wurden. In den 1950er Jahren begann man im Tarbeker Moor mit industriellem Torfabbau, der bis Ende der 1980er Jahre großflächig betrieben wurde. Anschließend wurde das Gebiet aber nicht landwirtschaftlich genutzt, sondern es sollte wieder zu einem wachsenden, d.h. torfproduzierenden Moor werden und dem Naturschutz dienen. Die wichtigste Maßnahme war, den Wasserstand wieder anzuheben. Heute sind viele Arten zurückgekehrt, sowohl hochmoortypische, als auch niedermoortypische Vertreter. Ebenso die Vogelwelt ist mit vielen Arten wieder da. Dazu zählt auch die Krickente, die in Seggenbulten am Ufer der schmalen Torfstichgewässer brütet oder die scheue Bekassine, die mit ihrem langen Schnabel im weichen Untergrund nach Wirbellosen stochert. Mindestens 57 weitere Brutvogelarten sind im Tarbeker Moor mittlerweile nachgewiesen worden, darunter Kiebitz, Knäkente, Rothalstaucher, Flussregenpfeifer, Heidelerche und Kranich. Letztere finden sich außerhalb der Brutzeit auch in großen Gruppen ein, um im Moor zu übernachten. Zudem profitieren von dem Moorbirkenwäldchen zahlreiche im Gehölz brütende Arten. Auch Amphibien wie Knoblauchkröte und Moorfrosch finden hier Lebensraum.

Tipp

Wie kann ich etwas für Moore tun?

Hast du einen Garten oder Topf-Pflanzen? Dann verzichte in Zukunft am besten auf Blumenerde die torfhaltig ist. Die Renaturierung von Mooren im Naturpark ist meistens förderfähig. Wer mehr wissen möchte, kann sich gerne an die Geschäftsstelle des Naturparkvereins bzw. an Malte Wenzel wenden (Kontakt aufnehmen).

Moor muss nass!

Nicht nur für die vielen Bewohner ist eine Wiedervernässung zerstörter Moore von zentraler Bedeutung. Auch aus Sicht des Klimaschutzes ist dies wichtiger denn je. Moore bedecken nur etwa 3% der Landoberfläche der Erde, speichern im Torf aber doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Erde, die etwa 30% der weltweiten Landoberfläche bedecken. Und sie akkumulieren in mächtiger werdenden Torfschichten in der Regel immer mehr Kohlenstoff, solange sie nass bleiben. Werden Moore aber entwässert, kommt der Sauerstoff an den Torf und der mikrobielle Abbau setzt ein. Infolge dessen entweicht der Kohlenstoff als CO₂ in die Atmosphäre, sowie auch Lachgas (N₂O). Dies sind gigantische Mengen. Ein Hektar Acker oder Grünland auf entwässertem Moor kann jährlich Treibhausgase mit einer Klimawirksamkeit emittieren, die der von zwei bis vier Einwohner*innen Deutschlands pro Jahr entspricht. Entwässerte Moore in Deutschland verursachen etwa 5% aller deutschen Treibhausgasemissionen! Auch in Schleswig-Holstein ist das Potential für Wiedervernässungen riesig, da hier nur noch weniger als 1% der Moorflächen Torfwachstum aufweisen und Kohlenstoff festlegen.

Knick

© Finn Fuhrmann

Gewässer

© Finn Fuhrmann

Wald

© S. Fuhrmann

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