© Solvin Zankl

Der Laubfrosch

Naturpark-Tier 2003

Der Name Laubfrosch verweist auf den bevorzugten Lebensraum im Blattwerk von Sträuchern und Bäumen. Die vermeintliche Fähigkeit, das Wetter vorherzusagen, führte zu dem weit verbreiteten Namen „Wetterfrosch“. Der Laubfrosch ist aufgrund seiner Lebensweise, Größe und Färbung leicht von den heimischen Froschlurchen zu unterscheiden. Die wesentlichen Artmerkmale sind: Kopf-Rumpflänge: ca. 3 - 4,5cm, seltener über 4,5cm. Besonderst hervorzuheben sind die scheibenförmigen Haftpolster an Zehen- und Fingerspitzen, mit denen Laubfrösche problemlos an senkrechten Glasscheiben emporklettern. Körperfärbung: Oberseite hellgrün, glatt und glänzend. Unterseite weiß bis grau und im Gegensatz zur Oberseite grobkörnig. Von der Nasenöffnung verläuft über Auge und Trommelfell ein dunkler Streifen an der Körperseite bis zur Hüfte, der sich von dort nach oben zu einer auffällig dunklen Leiste umbiegt.

 

© Christian Winkler

Lebensweise

Mit steigenden Temperaturen in der zweiten Aprilhälfte suchen die Laubfrösche zur Fortpflanzung die Laichgewässer auf. Ende Juni nehmen ihre Rufkonzerte ab und die Laichzeit endet. Etwa ab Anfang Juli bis in den September hinein verlassen die ein bis zwei Zentimeter großen jungen Laubfrösche nach Abschluss ihrer Entwicklung von der wasserlebenden Kaulquappe zum lungenatmenden Amphibium (Metamorphose) die Gewässer. Sofort suchen sie erhöhte Ansitze auf und machen Jagd auf Insekten, die meist im Sprung erbeutet werden. Im Gegensatz zu den übrigen heimischen Froschlurchen, die es lieber schattig und feucht lieben, sitzt der Laubfrosch tagsüber in der prallen Sonne und ruht. Nachmittags bis in die Dämmerung geht er auf Nahrungssuche. Ab Ende September werden die Winterquartiere aufgesucht.

Entwicklung der Laubfroschbestände

Der Laubfrosch ist in Schleswig-Holstein stark gefährdet. Das Östliche Hügelland war früher flächendeckend vom Laubfrosch besiedelt, heute dürfen es kaum noch 10% des Gebietes sein. Zusätzlich sind drei weitere inselartige Vorkommen auf der Hohen Geest bekannt, sie liegen im Kisdorfer Wohld, in der Husumer und in der Itzehoer Geest. Im Bereich Selenter See und Plön, als auch im südlichen Teil des Kreises Ostholstein noch relativ stabil. Im Kreis Segeberg dokumentieren wir von der Arbeitsgruppe Amphibien des BUND Kreis Segeberg seit zwanzig Jahren die Entwicklung der Laubfroschbestände. Vor hundert Jahren dürfte der gesamte Bereich, der von der letzten Vereisung mit Geschiebelehm bedeckt wurde, vom Laubfrosch besiedelt gewesen sein. Darauf verweist schon die Verbreitungskarte von 1985. Innerhalb der letzten zwanzig Jahre sind große Flächenverluste erfolgt. Hinzu kommt eine Verkleinerung der Rufgemeinschaften.

 

Rufkonzerte

Die Männchen besitzen eine kehlseitige große Schallblase. Die Kehlhaut der Männchen ist graubraun und faltig, die der Weibchen hell und glatt. Balzrufe: Mit ihrer Schallblase erzeugen die Männchen Rufe, die oft bis über einen Kilometer weit zu hören sind. In das rhythmische „äpp…äpp…äpp“ synchronisieren benachbarte Männchen ihre Rufe derart, dass der gemeinsame Chor enorm an Lautstärke gewinnt.
Die Rufkonzerte, von Ende April bis Ende Juni zu hören, beginnen mit Einsetzen der Dämmerung und dauern bis ca. ein Uhr nachts an. Bis in den Herbst hinein können einzelne kurze Rufe im Sommerlebensraum gehört werden.

 

© Christian Winkler

Endmoränen bevorzugt

Im Naturpark Holsteinische Schweiz kommt der Laubfrosch vor allem an den sehr welligen und hügeligen Endmoränenzügen vor, denn sie bieten ihm optimale Lebensbedingungen. Die steilen Hänge können oft nicht gut bewirtschaftet werden, verbuschen häufig und sind deshalb windgeschützt. Ausschlaggebend für das Vorkommen des Laubfrosches sind aber die vorzufindenden Bodenverhältnisse. Auf den jungeiszeitlichen Geschiebelehmen staut sich die Nässe besonderst gut. In den Senken bilden sich vermehrt Tümpel und andere Kleingewässer. Das Wasser ist wegen des mineralischen Untergrunds leicht basisch (PH 7 bis 7,5), dies ist eine Voraussetzung für die Entwicklung des Laubfroschs. 

Was kann ich für den Laubfrosch tun?

Wirksame Maßnahmen zum Schutz sind:

•    Schaffung und Erhaltung von Laichgewässern geeigneten Lebensräumen
•    Erhöhung des extensiv genutzten Grünlandanteils
•    Wiederherstellung der Ackerränder als Saumbiotope
•    Neuanlage von Knicks und Gehölzstreifen
•    Verzicht auf Biozide und Dünger im Gewässerbereich
•    Laichgewässer mit breiten Pufferzonen versehen
•    Dokumentation und Überwachung der Bestände durch die Kreise oder auch durch die Gemeinden (Naturschutzbeauftragte)
•    Entfernung von Fischen aus geeigneten Kleingewässern
•    Erhöhung des Ödlandanteils

Verbreitungsschwerpunkte

Das Zentrum der Verbreitung im Untersuchungsgebiet liegt mit über 500 Rufnachweisen im Dreieck Pronsdorf- Ahrensbök- Stockelsdorf. Hier allein riefen an drei Gewässern fünfzig Männchen. Im gesamten Kreis Segeberg finden sich nur noch zwei Laichplätze dieser Größenordnung: eins im Kisdorfer Wohld und ein weiteres am Seedorfer See. Die Verbreitungsschwerpunkte liegen alle im Bereich von ausgedehnten Endmoränenzügen. Das bedeutenste Verbreitungsgebiet ist vier bis sechs Kilometer breit und zieht sich vom Großen Plöner See nach Osten, biegt dann nach Süden um und verläuft über Ahrensbök-Reinfeld in Richtung Ratzeburger See. In dieser hügeligen Landschaft sind die Lebensraumansprüche des Laubfrosches wohl am besten realisiert. Die Hauptursache für das Verschwinden des Laubfrosches aus unserer Kulturlandschaft ist durch den Menschen verursacht: Flurbereinigung, Intensivierung der Landwirtschaft, Biozide, Trockenlegung, Fischbesatz und die Verfüllung von Kleingewässern. Damit einher geht die Zerstörung des Biotopverbundes mit der Isolierung der Populationen.

Einen Laubfrosch gesichtet?

Die Faunistisch-Ökologische Arbeitsgemeinschaft e.V. (FÖAG, www.foeag.de) betreut im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit dem Umweltministerium (MELUND) und dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume Schleswig-Holstein (LLUR) eine digitale Fauna-Datenbank (Arten- und Fundpunkt-Kataster), in die Funde von verschiedenen Tiergruppen, u.a. auch Amphibien und Reptilien in Schleswig-Holstein eingehen. Die FÖAG ist daher an der Meldung solcher Funde auch von ehrenamtlich tätigen Personen interessiert (mit Angaben zu Art, Anzahl beobachteter Exemplare, Funddatum und mit einem Kartenausschnitt (z.B. Google Maps) oder Koordinaten des Fundorts - sowie bei seltenen Arten bitte mit Belegfotos (max. 3 Stück mit verschiedenen Ansichten des Tieres) ). Meldungen bitte an:

Andreas Klinge
Arbeitskreis Herpetofauna
Tel.: +49 (0) 4340 / 499770
andreas.klinge@gmx.de

Faunistisch-Ökologische Arbeitsgemeinschaft e.V.
c/o Institut für Natur- und Ressourcenschutz der Uni Kiel
Olshausenstraße 75
24118 Kiel
www.foeag.de

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