© Thorben Danke

Die Ackerhummel

Naturpark-Tier 2020

Sie hält sich häufig ganz in unserer Nähe auf und wird doch oft übersehen: Die Ackerhummel. Sie ist hierzulande eine der häufigsten Hummelarten und fühlt sich auch in blütenreichen Gärten und Parks wohl. Wenn Sie Glück haben, wählt eine Hummelkönigin im Frühjahr ein Plätzchen auch in Ihrem Garten aus, um ihr Nest in einer geeigneten Nische anzulegen. Das Kalenderposter wurde erstellt in Zusammenarbeit mit Norbert Voigt vom Schleswig-Holsteinischen Heimatbund e.V. und mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein.

Viele Schwestern

Wussten Sie, dass es allein in Schleswig-Holstein fast dreihundert verschiedene Bienenarten gibt? Auch unsere Hummeln (Gattung: Bombus) gehören zur Familie der Echten Bienen (Apidae). Die Ackerhummel (Bombus pascuorum) ist eine der 30 Hummelarten, die ursprünglich im nördlichsten Bundesland lebten. Sie ist glücklicherweise noch sehr häufig anzutreffen und besiedelt nahezu den gesamten Naturpark Holsteinische Schweiz. Außer in dichten Wäldern kann man die Ackerhummel fast überall antreffen, wo viele Blüten zu finden sind, in denen Sie Nektar und Pollen sammeln kann. Sie fliegt auch sehr gerne in Gärten und Parks umher, so dass die Chance einer Beobachtung zwischen April und Oktober sogar im Siedlungsbereich sehr hoch ist.

Mitunter kommen Farbvarianten der Ackerhummel vor, die eine Bestimmung etwas schwierig machen können. In der Regel aber, ist die Oberseite des Bruststücks (Thorax) sowie auch die Oberseite am Ende des Hinterleibs (Abdomen) rötlichbraun behaart. Die übrigen Segmente des Hinterleibs sind häufig schwarz behaart mit grau behaarten Querstreifen im Wechsel. Die Seiten des Bruststücks sind meist ebenfalls grau behaart. Damit unterscheidet sich die Ackerhummel von den häufigsten anderen Hummelarten im Naturpark recht deutlich. Nur mit der seltenen Mooshummel (Bombus muscorum) und der Veränderlichen Hummel (Bombus humilis) könnte man sie verwechseln. Letztere ist jedoch mittlerweile in ganz Schleswig-Holstein ausgestorben.

© Anouk Fuhrmann

Das Hummeljahr beginnt

Schlendern Sie zwischen Anfang April und Mitte Mai durch einen Garten mit vielen blühenden Pflanzen und Sie werden mit etwas Glück eine Ackerhummelkönigin, langsam und dicht über dem Boden fliegend, auf der Suche nach einer Nistgelegenheit beobachten können. Anders als z.B. die Helle Erdhummel (Bombus lucorum), die gerne tief in der Erde in alten Mäusenestern nistet, sucht die Ackerhummelkönigin eher nach Nistmöglichkeiten, die oberirdisch oder in geringer Bodentiefe liegen. Dies können dichte Grasbüschel oder Laubhaufen sein, Hohlräume unter Moospolstern, alte Vogelnester in Baumhöhlen oder Vogelnistkästen, Dachbodendämmung und ähnliches, seltener auch alte Mäusenester oder von Gartenbesitzern aufgestellte Hummelnistkästen.

Verschwindet die Königin dann in so einer Höhlung ist dies ein spannender Moment: Kommt sie nach bis zu 30 Minuten wieder hervor und fliegt sofort weiter, hat ihr dieser Ort zum Nisten nicht zugesagt. Schwebt sie hingegen einige Sekunden vor dem Eingang um dann abwechselnd nach links und rechts zu pendeln und sich anschließend in größer werdenden Kreisen zu entfernen, kann man sich ziemlich sicher sein, dass sie hier ihr Nest anlegen wird. Mit diesem Orientierungsflug prägt sich die Königin den Nistplatz ein. Wichtiges Kriterium ist für sie, dass der Platz geschützt und trocken ist und isolierendes Material in Form von Tierhaaren, trockenem Moos, Blättern oder ähnlichem enthält. Dieses Baumaterial zerbeißt die Königin teilweise mit ihren Mundwerkzeugen und formt daraus eine hohle Nestkugel mit einem kleinen Eingang.

Zellen, Töpfchen, Taschen und Kammern aus Wachs

Nun baut die Königin in der Nestkugel verschiedene Gefäße aus Wachs, welches sie selbst produziert und an der Unterseite des Hinterleibs abscheidet. Ihr erstes Bauwerk ist eine kleine Wachszelle, in die sie Eier hineinlegt und einen Pollenvorrat einträgt, von dem sich die geschlüpften Larven später ernähren. Doch zunächst verschließt die Königin die Zelle mit Wachs und bebrütet sogar das Gelege. Hummeln sind zwar wie alle Insekten wechselwarm, können aber durch Bewegung ihrer Flugmuskulatur Wärme erzeugen und diese an die Eier in der Wachszelle weitergeben. Selbst, wenn die Temperaturen im zeitigen Frühjahr unter 0°C sinken, kann sie die Eier bei etwa 30°C warm halten.

 Das Erzeugen der Körperwärme verbraucht sehr viel Energie. Deshalb baut die Königin ein Wachstöpfchen, in welches sie Nektar für sich selbst als Vorrat für Schlechtwetterphasen und für die Zeit des Brütens einträgt. An die Wachszelle mit den Eiern werden außerdem noch weitere Gebilde, Wachstaschen, angefügt, die auch mit Pollen gefüllt werden. Nachdem die geschlüpften Larven den Pollenvorrat in der Wachszelle aufgebraucht haben, fressen sie sich in diese Taschen hinein um sich von den Pollen zu ernähren. Sie werden anfangs auch von der Königin damit gefüttert. So entstehen große Wachskammern, in denen die Larven gemeinsam heranwachsen. Nach ca. einer Woche spinnen sie sich einzeln in gelbliche, pergamentartige Kokons aus Seide ein. Innerhalb der Kokons verpuppen sich die Larven.

Nach ein bis zwei Wochen beißen sich die umgebildeten Hummeln durch die Puppenhaut und den Kokon ins Freie. Sie sind ausschließlich Arbeiterinnen, fliegen einige Tage später aus um Nektar und Pollen zu sammeln und übernehmen zunehmend den Aufbau des Hummelvolkes. Sie sind mit ca. 9 mm Körperlänge deutlich kleiner als die Arbeiterinnen, die später im Jahr schlüpfen, da die Königin sie als Larven im zeitigen Frühjahr auf sich allein gestellt nur eingeschränkt mit Nahrung versorgen konnte. Die späteren Arbeiterinnen erreichen mit ca. 15 mm Körperlänge fast die Größe der Königin, die bis 18 mm lang werden kann. Nach einigen Tagen fliegt die Königin nun gar nicht mehr aus um Nektar und Pollen
zu sammeln, sondern widmet sich ihrer einzigen verbliebenen Aufgabe: dem Eierlegen. Sie wird nun von ihren Töchtern, den Arbeiterinnen, mit versorgt.

Hummelstaat

So wächst das Ackerhummelvolk heran zu einer Größe von bis zu 150 Tieren im Hochsommer. Verglichen mit einem Honigbienennest, welches aus perfekten hexagonalen Waben besteht, ist das Hummelnest mittlerweile eine ziemlich chaotische Konstruktion. Die ab August schlüpfenden Hummeln haben eine Besonderheit: Waren bisher alle neuen Hummeln Arbeiterinnen, so schlüpfen jetzt nur noch zukünftige Königinnen und männliche Hummeln, die Drohnen. Letztere werden bis 14 mm lang und erreichen damit etwa die Länge der größeren Arbeiterinnen. Im Unterschied zu den weiblichen Tieren haben die Drohnen keinen Stachel (Hummeln können stechen, sind aber meist sehr gutmütig!). Die Drohnen verlassen nun zusammen mit den zukünftigen Königinnen das Nest zum Paarungsflug.

 

 

© Heiko Bellmann, Frank Hecker

Das Ende naht

Ab Anfang Oktober neigt sich das Leben des Ackerhummelvolkes allmählich dem Ende zu: Viele Arbeiterinnen verenden innerhalb des Nests oder kehren von ihren Flügen nicht zurück. Eine einzelne Arbeiterin hatte dann ein Leben von maximal drei Monaten oder, bei großer Erschöpfung, auch nur wenigen Wochen. Auch die Drohnen sterben bald nach dem Paarungsflug. Sie leben in der Regel wenige Wochen, maximal zwei Monate. Die alte Königin wird ebenfalls im Herbst nach etwas mehr als einem Jahr sterben. Einzig die jungen Königinnen leben weiter. Sie suchen nun stetig nach Nahrung, um sich einen Fettkörper für den bevorstehenden Winterschlaf anzufressen. Haben sie Glück und überleben den langen Winter in einem geschützten Versteck, können sie im folgenden Jahr den Hummelzyklus wieder neu begründen.

 

Unterstützung der Vielfalt

Für blütenbesuchende Insekten wie die Ackerhummel, ist es sehr wichtig, dass sie in ihrem Lebensraum viele blühende und nektarproduzierende Pflanzen vorfinden. Da botanisch artenreiche Flächen und viele Insektenarten in den letzten Jahrzehnten immer seltener geworden sind, möchten der Naturpark Holsteinische Schweiz e.V. und der Schleswig-Holsteinische Heimatbund dazu beitragen, diesem Trend zu begegnen. In Kooperation mit den Gemeinden des Naturparks
werden auf geeigneten Flächen Blumenwiesen mit heimischen Wildpflanzen angelegt, die bei richtiger Pflege dauerhaft Bestand haben können und vielen Insekten einen Lebensraum bieten. Dabei wird nur sogenanntes Regiosaatgut
verwendet: Saatgut von Wildpflanzen, deren Ursprung im Nordostdeutschen Tiefland liegt.

Darüber hinaus setzt sich der Schleswig-Holsteinische Heimatbund (SHHB) mit den von der BINGO-Umweltlotterie geförderten Projekten Bienenbotschafternetzwerk und BlütenReich Schleswig-Holstein für die Förderung blütenbesuchender Insekten ein. Mit einem breiten Bündnis an Kooperationspartnern wirbt der SHHB für mehr naturnahe Lebensräume, für Strukturreichtum und Blütenvielfalt in der Landschaft. Vorträge und Seminare informieren über Handlungsmöglichkeiten in Landwirtschaft, privatem Bereich und öffentlichem Grün. Eine Wanderausstellung zum Thema „Wildbienen – Vielfalt, Gefährdung, Schutz“ ist seit 2016 landesweit unterwegs. Für konkrete Informationen zu Terminen und Veranstaltungen des Projektes, fliegen sie doch mal bei www.bienenreich-sh.de vorbei!

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