© VDN/Matthias Dreizler

Der Eisvogel

Naturpark-Tier 2006

Der Eisvogel bezaubert den Beobachter durch die Sinfonie der Farben seines Gefieders und wird daher oft als „fliegender Edelstein“ oder als „fliegender Diamant“ bezeichnet. Die für Nordeuropa ungewöhnlich bunte Färbung des Eisvogelgefieders hat seit jeher die Fantasie des Menschen angeregt. Einer alten Sage zufolge war der Eisvogel vor der Sintflut unscheinbar grau. Doch beim ungestümen Verlassen von Noahs Arche soll er mit dem Rücken gegen den Himmel gekommen sein und gleichzeitig sich das Bauchgefieder an der untergehenden Sonne versengt haben... Meistens sieht man ihn nur vorbeifliegen, wobei der türkisblaue Rücken aufblitzt. Er ruft ein hartes „zii“ oder „zrii“. Er fliegt sehr schnell mit schwirrenden Flügelschlägen dicht über das Wasser, unterbrochen von kurzen Gleitstrecken. Eisvögel, die sich im guten Ernährungszustand befinden, wiegen ca. 40 Gramm. Sie sind nur geringfügig größer als ein Spatz.

Der Eisvogel im Naturpark

Im Naturpark Holsteinische Schweiz findet der Eisvogel reichlich naturnahe Fließ- und Stillgewässer. Diese zeichnen sich durch Uferbewuchs mit geeigneten Ansitzmöglichkeiten, klares Wasser mit gutem Kleinfischbestand sowie geeignete Steilufer zum Brüten aus. Im Naturpark brütet der Eisvogel auch wegen mangelnder Steilufer gerne in Wurzeltellern von kürzlich umgekippten Bäumen. Das Eisvogelvorkommen wird in Schleswig-Holstein von der Projektgruppe Eisvogel auf ca. 200 Paare geschätzt. Mindestens ¼ der Brutreviere liegt im Naturpark Holsteinische Schweiz. Brutpaare wurden beispielsweise im Einzugsbereich der Kossau (8 Paare, Dr. Wolfgang Stehle),  an der Schwentine zwischen dem Plöner See und Wahlstorf (3 Paare, Wilfried Stender), am Großen Plöner See (mind. 3 Paare, Wilfried Stender) sowie  am Großen Eutiner See (Jürgen Krostitz) beobachtet. Auch an der Trave, der Tensfelder Au und am Warder See werden regelmäßig Eisvögel gesichtet.

Wusstet du schon, dass ...

...Eisvögel eine Fluggeschwindigkeit bis zu 90 km/h erreichen können?
...der Eisvogel außerhalb der Brutzeit ein streitsüchtiger Einzelgänger ist?
...seine Bruthöhle bis zu einem Meter Tiefe in eine Steilwand gegraben wird?
...die Geschlechter beim Eisvogel nur an der Schnabelfarbe zu erkennen sind? (Bei männchen schwarz und bei weibchen ist der Oberschnabel schwarz und der untere hell-orangerot)
...der durch die Beringung nachweislich älteste Eisvogel zehn Jahre alt wurde?

© Christian Garleff

Nahrungsansprüche

Der Eisvogel ist ein Nahrungsspezialist. Im Stoßtauchen von einem Ansitz aus oder auch im Rüttelflug erbeutet er vor allem Kleinfische. Aber auch Kaulquappen, kleine Frösche oder Krebse sowie Wasserinsekten und deren Larven werden besonders von den im Fischfang noch ungeübten Jungvögeln erbeutet. Die täglich notwendige Nahrungsmenge beträgt etwa die Hälfte seines Körpergewichtes. Dies bedeutet, dass ein Eisvogelpaar während der Brutzeit ca. 65 Jungfische pro Tag fangen muss, um sich und seine ca. 7 Jungen satt zu bekommen. 

Für junge Eisvögel werden hastig verschluckte Fische leicht zur letzten Mahlzeit. Viele Fische haben Stacheln an den Kiemendeckeln oder spitze Flossenstrahlen auf dem Rücken. Erfahrene Tiere drehen ihre Beute so lange im Schnabel herum, bis sie mit dem Kopf voran den Schlund hinabgleiten kann.    

Nahrungsgewässer müssen eine gute Sichttiefe aufweisen, da Eisvögel sich bei der Jagd visuell orientieren. In Neversfelde befreite z. B. die Projektgruppe Eisvogel und die VSG  Eutin-Malente  einen Teich von zunehmender Begrünung durch Wasserpflanzen, um dem Eisvogel den Beutefang zu ermöglichen.

Hohe Sterblichkeit

Eisvögel haben eine sehr hohe Sterblichkeitsrate. Nur 20 bis 30 % der jungen Eisvögel überleben das erste Lebensjahr. Natürliche Feinde sind Sperber, Rabenkrähen, Ratten, Wiesel, Katzen und Füchse. Weitere Todesursachen sind Ertrinken und Erfrieren, die – so seltsam es klingt – häufig auf ungepflegtes Gefieder zurückzuführen sind. In harten Wintern, wenn geeignete Nahrungsgewässer lange zufrieren, können sogar 95 % der heimischen Population sterben, so dass das zahlenmäßige Vorkommen des Eisvogels außerordentlich schwankt. Direkte Verluste entstehen auch durch den Straßenverkehr, insbesondere dort, wo Fließgewässer von Brücken gequert werden und durch Anflüge an Fensterscheiben auf bebauten Ufergrundstücken.

 

Maßnahmen zum Schutz des Eisvogels

© Isabell Eckle

•   Verbesserung der Wasserqualität
•    Renaturierung von Fließ- und Stillgewässern und angrenzenden Uferbereichen
•    Schaffung von Ruhezonen an Steilwänden und Bruthöhlen, die den Bootsverkehr weitgehend ausklammern   
•    Förderung naturnaher Uferbepflanzung (Erlen, Weiden, Eschen)
•    bei Ansiedlungswunsch ohne vorhandene Steilufer Aufstellen von geeigneten Nisthilfen
•    Besatz mit Moderlieschen, Stichlingen, Elritzen oder Bitterlingen in privaten Kleingewässern
•    Einbindung von Ornithologen in Entscheidungsprozesse bei Wasserbaumaßnahmen
•    Unterbindung von Uferabbrüchen durch Weidevieh durch Abzäunung

Vermehrungstaktik Schachtelbrut

Wegen der hohen Sterblichkeit der Eisvögel erwies sich in der Evolution die hohe Vermehrungsrate als Vorteil. Im Vergleich mit anderen Vogelarten ist eine effiziente Reaktion auf hohe Verluste durch die Schachtelbrut möglich. Dabei versorgt das Männchen die Erstbrut, während das Weibchen schon auf dem Zweitgelege sitzt. Von Frühjahr bis zum Herbst kann man daher in guten Eisvogelgebieten frisch geschlüpfte Nestlinge antreffen, da in dieser Form bis zu 3, ausnahmsweise bei erfahrenen Altvögeln und günstigen Bedingungen auch 4 Jahresbruten, ermöglicht werden. In einem Eisvogelrevier werden zudem oft nicht nur mehrere Bruten nacheinander, sondern auch mehrere Bruthöhlen gleichzeitig betreut. So etwas geht oft nur, wenn ein Männchen mit zwei Weibchen gleichzeitig zusammenlebt. Der Eisvogel brütet bei uns von März bis in den September hinein und sitzt zwischen 19 und 21 Tagen auf seinen 6 bis 8 Eiern. Nach 23 bis 27 Tagen fliegen die Jungvögel aus, die in Steilwänden in Wassernähe herangewachsen sind.

Außerhalb der Nistsaison ...

In der Zeit von November bis Februar, kann man Eisvögel auch fernab von Bächen, Flüssen und geeigneten Steilwänden erleben. Er bevorzugt Gebiete, die den Brutplätzen ähneln, ist aber auch an künstlichen Teichen, Brackwasserlagunen und sogar Wattflächen zu beobachten.

Trotz seines leuchtenden Gefieders bekommt der Spaziergänger den bunten Vogel nur selten zu Gesicht. Seine Fluchtdistanz ist sehr hoch, was nicht zuletzt an seinen guten Augen liegt. Eisvögel verfügen pro Netzhaut nicht nur über eine Fovea (Sehgrube) wie die Säugetiere – also auch wie wir Menschen -,  sondern über zwei dieser Sehgrübchen, jener Zonen des schärfsten Sehens, wo sich die Sinneszellen – Zapfen und Stäbchen – konzentrieren. Die zweite Sehgrube im hinteren Teil der Netzhaut erlaubt dem Vogel auch, exakt geradeaus zu sehen, obwohl die Augen wie bei den meisten Vögeln seitlich stehen. Auf diese Weise trifft er im Sturzflug aufs Wasser seine Beute mit hoher Präzision. Obendrein registriert das Eisvogel-Auge etwa 150 Eindrücke pro Sekunde – das menschliche Auge nur etwa 50 -, kann also Bewegungen hervorragend wahrnehmen.

© Christian Garleff

Projektgruppe Eisvogel 2004

Die Projektgruppe - eingebunden in die Vogelschutzgruppe Eutin – Bad Malente e.V.  (VSG)- hat sich seit dem Herbst 2004 mit zur Zeit (2010) 30 Mitarbeitern zur Aufgabe gemacht, im Bereich des Naturparkes Holsteinische Schweiz und in Ausnahmen darüber hinaus, den Bestand des heimischen Eisvogels zu erfassen. Zudem werden die Brutbedingungen vor Ort verbessert. Dabei wird darauf geachtet, keinen störenden Einfluss auszuüben und keine konkreten Orte der Vorkommen zu veröffentlichen. Der Projektgruppe liegt die Unterrichtung der Bevölkerung über den Sinn des Eisvogelschutzes sehr am Herzen. Ihre Öffentlichkeitsarbeit findet sich in den Druckmedien wieder, und sie wird  durch eine Vortragstätigkeit vertieft. Über die Projektgruppe sind Kleinfische zu erhalten, die man zur Etablierung eines Eisvogelvorkommens in den Privatteich setzen kann. Darüber hinaus betreiben die Artenschützer mehrere Winterfütterungsanlagen, die im Extremwinter 2009 / 2010 sehr erfolgreich waren. Die Projektgruppe bietet ihre Hilfe bei Entscheidungsprozessen zu Renaturierungsmaßnahmen an und möchte bei allen Fragen um den Eisvogel beratend zur Seite stehen. Weitere Information zur Projektgruppe Eisvogel erhalten Sie unter:
 
Holger Jürgensen (Projektleitung), Lerchenfeld 38, 23701 Eutin
Vogelschutz.Eutin@t-online.de / www.vogelschutzeutin-badmalente.de


Text : Holger Jürgensen

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