© Dieter Damschen

Der Kranich

Naturpark-Tier 2016

Mit 1,20 m Größe, einem Gewicht von 4,5 – 6 kg und einer Flügelspannweite von ca. 2,20 Metern, die nahezu an die eines Seeadlers heranreicht, ist der Kranich eine imposante Erscheinung. Männchen und Weibchen lassen sich kaum voneinander unterscheiden. Die Männchen sind im Durchschnitt etwas größer und schwerer als die Weibchen. Die Schmuckfedern, die das Körperende bedecken werden nicht von den Schwanz- sondern von den Armfedern gebildet. Weiter schmückt sie passend zu ihren leuchtend roten Augen ein roter kahler Fleck oben am Kopf. Der Kranich ist besonders auf wasserreiche Feuchtgebiete angewiesen, denn nur dort findet eine Kranichfamilie Schutz vor Feinden und reichlich Nahrung.

Aus der Region des Naturparks erfolgten 1990 die ersten Meldungen über Kranich-Sichtungen, die auf eine Wiederansiedlung hindeuteten. 1995 gab es zwei nachgewiesene Brutreviere im Naturpark, 2005 konnten 23 Paare festgestellt werden und für 2015 wurde die Zahl schon auf mehr als 50 Paare geschätzt. Der Kreis Herzogtum Lauenburg stellt das Zentrum der Wiederbesiedlung des Landes dar und beherbergt auch heute noch die Kernpopulation der Kraniche Schleswig-Holsteins. Von hier aus erfolgte seit den 80er Jahren die Ausbreitung in Richtung Norden und Westen.

Das Kalenderposter 2016 entstand in Zusammenarbeit mit Frau Sabine Reichle (†) vom WWF und wurde hergestellt mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein.

© Sven Koschinski

Glücksbringer und Naturschutzsymbol

Die Familie der Kraniche ist mit 15 Arten weltweit verbreitet. Die eindrucksvollen Balztänze und die weit hörbaren »Trompetenrufe« ließen sie sogar als Vögel des Glücks in die Mythologie vieler Völker eingehen. Dennoch sind sie vielerorts durch Lebensraumverlust bedroht. Nur länderübergreifende Schutzprogramme sichern die Zukunft der Kraniche. Das Verbreitungsgebiet unserer heimischen Kranichart, des Grauen Kranichs (Grus grus), erstreckt sich vom mittleren Europa bis Asien. Aufgrund großflächiger Entwässerungen in den Brutgebieten, aber auch durch die Bejagung im Winterquartier (heute europaweit verboten) drohte der Kranich in den 1960er Jahren in Deutschland auszusterben.

In Schleswig-Holstein konnten 1973 nur noch 11 Kranichpaare registriert werden - die Entwässerung von Feuchtgebieten hatte fast zum Aussterben dieser beeindruckenden Vogelart in Westdeutschland geführt. In Kooperation mit dem Land Schleswig-Holstein startete der WWF daher ein Kranichschutzprojekt. Seither wurden gemeinsam mit Flächeneigentümern, Förstern, Landwirten, Behörden und vielen ehrenamtlichen Helfern kontinuierlich Feuchtgebiete renaturiert und Schutzzonen gesichert. Das half auch anderen gefährdeten Tieren, wie z. B. Moorfröschen oder Waldwasserläufern, einem typischen, aber eher unauffälligen Brutvogel der Erlenbrüche. Der Erfolg des Projektes: Heute sind in Schleswig-Holstein wieder über 550 Kranich-Paare heimisch.

Kraniche schützen – Feuchtgebiete erhalten

Kraniche sind in ihrem Lebensraum auf wasserreiche Feuchtgebiete angewiesen um vor Bodenfeinden sicher zu sein. Sie stehen unter Schutz und dürfen an ihren Brut- und Rastplätzen nicht gestört werden.

Die Entwässerung von Feuchtgebieten vernichtet diesen Lebensraum und setzt klimaschädliches Kohlendioxid frei. Die Wiederherstellung natürlicher Wasserverhältnisse in Feuchtgebieten ist dagegen ein aktiver Beitrag zu Klima-, Grundwasser- und Artenschutz. Der attraktive Kranich trägt als Botschafter für den Schutz von Feuchtgebieten zur Akzeptanz von Naturschutzmaßnahmen bei.

© Sven Koschinski

Familienleben

© Dieter Damschen

Kraniche können bis zu 25 Jahre alt werden. Kranichpaare bleiben dauerhaft zusammen und nutzen über Jahre hinweg ihr angestammtes Brutrevier. Sind sie im ausgehenden Winter wieder im Brutgebiet angekommen, verkünden sie dies durch ihren charakteristischen, weithin hörbaren Trompetenruf, der zur Balz als Duett vorgetragen wird. Diese Rufe dienen der Paarbindung und zeigen anderen Kranichen, dass dieses Brutrevier besetzt ist.

Bereits im März können Kraniche mit der Brut beginnen. Das Gelege besteht in der Regel aus 2 Eiern, die rund 30 Tage von den Eltern abwechselnd bebrütet werden. Wasserreiche Erlenbrüche inmitten von Buchenwäldern sind bevorzugte Brutplätze des Kranichs. Die Bäume gewähren Deckung, der Reichtum an Wasserinsekten und Amphibien bildet eine hervorragende Nahrungsgrundlage.

Nach dem Schlupf sind die jungen Kraniche mobile Nestflüchter, die unter der Obhut ihrer Eltern zur Nahrungssuche erst im Umfeld des Nestes unterwegs sind, später aber auch ausgedehnte Wanderungen durchführen. Zur Übernachtung kehrt die Kranichfamilie wieder in das Brutareal zurück. Zunächst ernähren sich die Jungvögel von eiweißreicher Nahrung (Insekten, Schnecken, Würmer, kleine Wirbeltiere), die sie in den Feuchtwäldern oder auf artenreichen Wiesen finden. Erst später nutzen sie wie die Altvögel auch Feldfrüchte (z. B. Getreide, Mais)

Erst nach 10 Wochen sind die Jungen flugfähig, solange erschließt sich die Familie ihren Lebensraum zu Fuß und ist entsprechend störungsempfindlich. Kranichschutz bedeutet daher, ein Biotopverbundsystem mit vielfältigen Nahrungsquellen zu sichern und menschliche Störungen auszuschließen. Sind die Jungen flügge, erscheinen die Kranichfamilien auf Wiesen und Feldern und sind nun auch für die Kranichbeobachter störungsfrei erlebbar.

Tipp

Kraniche beobachten

Kraniche halten sich häufig auf dem Boden auf. Sie sind daher störungsempfindlich und haben sehr gute Augen. Andererseits lassen sie sich aufgrund ihrer Größe mit einem Fernglas aus größerer Entfernung und mit der gebotenen Rücksicht auf ihre Fluchtdistanz sehr gut beobachten. Besonders störungsarm ist die Beobachtung aus dem Auto heraus, was nicht als Bedrohung empfunden wird. Der WWF freut sich über die Meldung von Kranich-Paaren, die im Zeitraum von Mai bis August beobachtet werden. Wichtig dabei: Datum, genaue Ortsbezeichnung (Gebiet, Kreis und Gemeinde), Art der Beobachtung (z.B. mit oder ohne Jungvögel). Adresse, auch für weitere Informationen:

WWF Deutschland
Silke Engling
Referentin Naturschutzflächenmanagement
Junkernstraße 7
23909 Ratzeburg
Telefon: +49 4541 87 94 001
Mail: silke.engling@wwf.de

Gesellig in den Süden

Im Herbst finden sich Kraniche zu großen Trupps an geeigneten Gewässern ein. Dort übernachten sie stehend in Flachwasserbereichen, in denen sie vor Störungen geschützt sind. Tagsüber suchen sie auf umliegenden Äckern und Wiesen nach Nahrung. Zugwege: Große Rastplätze in Deutschland mit zehntausenden Kranichen sind die Rügen-Bock-Region, das Linum-Bruch bei Berlin und das Diepholzer Moor in Niedersachsen. In SH gibt es kleinere Rastplätze (vor allem in den Kreisen RZ, PLÖ, IZ).

Der Abzug in die Überwinterungsgebiete Frankreichs, Spaniens und Nordafrikas erfolgt je nach Kälteeinbruch im Oktober / November. Keilförmige Flugstaffeln verringern den Luftwiderstand und ermöglichen einen energiesparenden Flug. In milden Wintern verbleiben Kraniche zunehmend auch in Deutschland.

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