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Die Ringelnatter

Naturpark-Tier 2008

Die Ringelnatter ist mit Ausnahme Nordskandinaviens, Islands, Irlands und einiger Mittelmeerinseln über ganz Europa bis 2400 m Höhe verbreitet und kommt in Asien bis zum Baikalsee sowie in Nordwestafrika vor. In Schleswig-Holstein ist sie die am weitesten verbreitete Schlange, wobei sie einen ihrer Verbreitungsschwerpunkte im Naturpark Holsteinische Schweiz hat. Besonders viele Meldungen gibt es vom Selenter See und Plöner See. An Seen, Teichen, Tümpeln, träge fließenden Gewässern, Mooren, Feuchtwiesen und auch in Gärten ist sie zu Hause. Sie benötigt dabei Gebiete mit vielen Fröschen, Kröten und Molchen als Nahrungsgrundlage sowie mit geeigneten Eiablage- und Sonnenplätzen. Zur Überwinterung nutzen die Tiere frostfreie Verstecke z.B. in Säugetierbauten.

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Gekröntes Haupt

Sie ist gut an ihren weißlichen, gelblichen oder orangefarbigen Flecken an beiden Seiten des Hinterkopfes zu erkennen, die wie eine Krone den Kopf zu bedecken scheinen. Wegen dieser Krone rankt sich so manches Märchen um dieses Tier. Nach altem Volksglauben sollen Ringelnattern, die in der Nähe von Menschen leben, kleine Kinder bewachen, Haus und Vieh schützen und allgemein Glück und Segen bringen. Weitere Kennzeichen für die Ringelnatter sind ein ovaler Kopf, runde Augen und Pupillen, gekielte Schuppen, eine meist graue Rückenfarbe sowie ein weißlicher Bauch mit mehr oder weniger ausgedehnter schwarzer Fleckung. Die Tiere können bei uns eine Gesamtlänge von ca. 70-150 cm erreichen, wobei die Weibchen größer als die Männchen werden.

Fische vorwärts – Frösche rückwärts

An Land oder auch schwimmend und tauchend geht die Ringelnatter auf Jagd. Man hat erstaunliche Schwimmleistungen von Ringelnattern in Norddeutschland beobachtet: Es gibt Nachweise, dass sie die 3-4 km breite Flensburger Förde schwimmend durchquert und in der offenen Ostsee 23 km vor Rügen wurde eine Ringelnatter gefangen. Bei diesen Schwimmaktionen kommt es ihr zu Gute, dass ihre Nasenlöcher und Augen hoch am Kopf sitzen, so kann sie gut Atem holen und der Überblick beim Auftauchen wird erleichtert. Die Beute wie z. B. Frösche, Kröten, Molche und gelegentlich auch kleine Fische oder Mäuse, wird lebend verschlungen. Amphibien werden von der Ringelnatter instinktiv von hinten her gefressen. Kröten pumpen sich zur Abschreckung von Feinden oft auf. Die Ringelnatter kann durch ihr Fressveralten die Luft aus den Kröten herauspressen. Fische hingegen werden wegen der Schuppen und Stacheln von vorne her geschluckt, damit sie nicht stecken bleiben. Jungtiere geben sich auch mit leichterer Kost wie z. B. Regenwürmern zufrieden.

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Sie riechen mit der Zunge und hören mit den Knochen

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Schlangen können ihre Beute mit Zunge und Gaumen riechen. Sie züngeln in der Luft, wobei die Zunge Duftmoleküle aufnimmt.  Im Mund werden die zwei Spitzen der Zunge in zwei Taschen im Gaumen gelegt. Dort kann ihr eigentliches Riechorgan (‚Jacobsonsches Organ’) die Duftmoleküle analysieren. Die Ringelnatter hat wie alle Schlangen keine Ohren, aber ein System kleiner Knochen im Schädel erlaubt es ihr, Vibrationen zu hören, die vom Unterkieferknochen aufgenommen werden. Im Gegensatz zu nachtaktiven Schlangen hat die Ringelnatter vermutlich ein gutes Farbsehvermögen.

Schlange mit Schauspieltalent

Ringelnattern sind sehr friedfertig. Wenn sie etwa durch einen Menschen in Bedrängnis geraten und nicht fliehen können, flachen mutige Exemplare ihren Körper ab oder blähen sich auf und zischen. Meist entleeren die Tiere ihre Stinkdrüsen an der Schwanzbasis. Der faulige Geruch hält sich mehrere Stunden. Andere gehen (vor allem bei Berührung) in die Defensive und würgen ihre Nahrung aus oder stellen sich mit großem Schauspieltalent tot. Dabei legen sie sich oft in Schlingen wobei sie manchmal auch die Bauchschuppen präsentieren, öffnen den Mund etwas, lassen die Zunge heraushängen und zur Krönung tritt manchmal auch noch spontan Blut aus der Mundschleimhaut aus.

Das Ringelnatterjahr

Im März verlassen die ersten Ringelnattern ihr Winterquartier, das sie oft mit anderen Schlangenarten und Artgenossen teilen. Bei Lufttemperaturen ab 10-12° C werden Funde aktiver Ringelnattern wahrscheinlich. Ihre Vorzugstemperatur, bei der sie besonders häufig zu sehen sind, wird bei bodennahen Temperaturen von 26-29° C erreicht. Ab Mitte April paaren sich die geschlechtsreifen Ringelnattern und legen von Mai bis August ihre 10-30 (manchmal bis zu 50) Eier in modernden Pflanzenhaufen, Laub-, Kompost-, Mist- und Sägemehlhaufen ab. Die Männchen werden im Herbst des dritten Lebensjahres geschlechtsreif, die Weibchen erst mit 4-5 Jahren. Aus den abgelegten Eiern schlüpfen nach ca. 1-2 Monaten die ca. 15-19 cm langen und nur 2,5-6 g schweren Ringelnattern. Bereits in den ersten drei Tagen findet die erste Häutung statt. Der Kopf wird typischerweise zuerst gehäutet. Manchmal wird die alte Haut in einem Stück abgestreift. Mit sinkenden Temperaturen ab Anfang oder Mitte Oktober verkriechen sie sich in ihr Winterquartier.

Der Schlangenkönig in Gefahr

Die Ringelnatter wird in Schleswig-Holstein als stark gefährdet eingestuft. Ihre natürlichen Feinde wie Greifvögel, Storch, Reiher, Marder und Fuchs sind kein Grund für ihre Gefährdung. Verantwortlich ist dafür vielmehr die Zerstörung ihrer Lebensräume und der damit verbundene Rückgang ihrer Beutetiere (z. B. Entwässerung von Feuchtwiesen, Rückgang des extensiv genutzten Grünlands, intensive Nutzung der Uferränder, Unterhaltungsmaßnahmen an Fließgewässern). Eine weitere sehr wichtige Ursache für ihren Bestandsrückgang ist die Zerschneidung der Landschaft mit Straßen. Eine langfristig überlebensfähige Ringelnatterpopulation mit ca. 50 fortpflanzungsfähigen Tieren benötigt schätzungsweise mindestens 250 ha Fläche. Der Flächenanspruch einer einzelnen Ringelnatter liegt je nach Nahrungsangebot meist zwischen 8 und 28 ha.

Tipp

Was kann ich tun?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten wie du zum Schutz der Ringelnatter beitragen kannst:

  • in Teilen des eigenen Gartens auf eine intensive Pflege verzichten, generell keine Pflanzenschutzmittel einsetzen und Komposthaufen als mögliche Eiablageplätze anlegen
  • auf Radwegen und Straßen am Rand von Feuchtgebieten auf Ringelnattern achten, die sich z.T. auf dem Asphalt sonnen, so dass die Tiere nicht überfahren werden
  • sich z.B. in einem Naturschutzverein für den Schutz und die Entwicklung extensiv genutzter großräumiger Biotopkomplexe mit Gewässern oder Feuchtgebieten einsetzen.

Geeignete Maßnahmen eines Naturschutzvereins o.ä. können sein:

  • Anlage von weiteren Kleingewässern für Amphibien und damit Verbesserung der Nahrungsgrundlage für die Ringelnatter
  • Mahd (am besten mit Balkenmäher) oder extensive Beweidung von Feuchtgrünlandflächen (sofern Flächen gemäht werden, kann dort ein Teil des Schnittgutes als möglicher Eiablageplatz belassen werden)
  • Schaffung nicht oder nur extensiv genutzter Pufferzonen mit naturnaher Ufergestaltung entlang von Gewässern schaffen
  • Auflichtung von Gehölzbeständen in Ringelnatterlebensräumen zur Schaffung neuer Sonnenplätze

Die Faunistisch-Ökologische Arbeitsgemeinschaft e.V.

Die Faunistisch-Ökologische Arbeitsgemeinschaft e.V. (FÖAG, www.foeag.de) betreut im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit dem Umweltministerium (MELUND) und dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume Schleswig-Holstein (LLUR) eine digitale Fauna-Datenbank (Arten- und Fundpunkt-Kataster), in die Funde von verschiedenen Tiergruppen, u.a. auch Amphibien und Reptilien in Schleswig-Holstein eingehen. Die FÖAG ist daher an der Meldung solcher Funde auch von ehrenamtlich tätigen Personen interessiert (mit Angaben zu Art, Anzahl beobachteter Exemplare, Funddatum und mit einem Kartenausschnitt (z.B. Google Maps) oder Koordinaten des Fundorts - sowie bei seltenen Arten bitte mit Belegfotos (max. 3 Stück mit verschiedenen Ansichten des Tieres). Meldungen bitte an:

Andreas Klinge
Arbeitskreis Herpetofauna
Tel.: 04340 / 499770
andreas.klinge@gmx.de

Faunistisch-Ökologische Arbeitsgemeinschaft e.V.
c/o Institut für Natur- und Ressourcenschutz der Uni Kiel
Olshausenstraße 75
24118 Kiel
www.foeag.de

 

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